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Familienunternehmen sehen sich derzeit gleich mit mehreren großen Herausforderungen konfrontiert: Fachkräftemangel, Nachfolge und Digitalisierung sind nur einige davon. Also denken auch mittelgroße Familienunternehmen mehr und mehr darüber nach, nicht nur einen Beirat zu bilden, sondern ihn auch professionell, d.h. mit entsprechenden Fachleuten zu besetzen.

Aufgabe des Beirats

Ein Beirat begleitet die Arbeit und Entwicklung eines Unternehmens mit kritischem Blick von außen. Er ist somit mehr strategischer Sparringspartner als Kontrolleur. In seiner klassischen Ausgestaltung ist er ein rein beratendes Gremium, das gerade keine Aufsichtsfunktion bezüglich der Geschäftsführung ausübt. Da es sich bei einem Beirat jedoch um ein freiwilliges Organ handelt, gibt es hinsichtlich seiner Aufgabenbereiche und Kompetenzen einen weiten Gestaltungsspielraum. Häufig steht er den Familiengesellschaftern als beratendes Gremium bei der Vorbereitung wichtiger Gesellschafterentscheidungen zur Verfügung. Außerdem ist er ein wichtiges Bindeglied zwischen den Gesellschaftern einerseits und den (Fremd-) Geschäftsführern andererseits. Dabei achtet er insbesondere auf die angemessene Berücksichtigung sowohl von Familien- als auch Unternehmensinteressen.

Zusammensetzung des Beirats

Bei der Zusammensetzung des Beirats sind die Erfahrung und Qualifikation seiner Mitglieder  von ausschlaggebender Bedeutung. Letztlich geht es darum, dass im Beirat alle wesentlichen Funktionen des Unternehmens abgebildet werden, um für alle entscheidenden Themen Rat und Unterstützung geben zu können. Dabei macht der perfekte Mix aus Erfahrung und Fähigkeiten, aus persönlichen Eigenschaften und Perspektiven den Unterschied. Diversität ist entscheidend – und dies hinsichtlich Art und Seniorität der Erfahrung, hinsichtlich Alter, Nationalität und Geschlecht und hinsichtlich besonderer Kenntnisse, durch die innovative Impulse gesetzt und herkömmliche Vorgehensweisen infrage gestellt werden können. Neben finanztechnischem und ggfs. juristischem Background braucht es auch ein gutes Verständnis für das Geschäftsmodell des Unternehmens und die Dynamik des Marktes, in dem das Unternehmen tätig ist. Wichtig ist aber auch ein belastbares Netzwerk an Geschäftsbeziehungen, die zum Nutzen des Unternehmens eingesetzt werden können.

Empfehlungen für eine erfolgreiche Arbeit im Beirat

Nachfolgend einige „Spielregeln“, bei deren Beachtung ein Beirat für Familienunternehmen zu einem wirklichen Erfolgsmodell werden kann:

  • Bei der Auswahl von Gremienmitgliedern stehen unternehmerische Kompetenzen, Integrität und Loyalität sowie das Engagement, das die betreffende Person zu erbringen bereit ist, im Vordergrund. Gremienmitglieder müssen materiell, emotional und persönlich unabhängig sein.
  • Ein Gremienmitglied muss ausreichend Zeit mitbringen können, um sich gewissenhaft mit den relevanten Themen im betreffenden Unternehmen zu befassen. Der zeitliche Aufwand für eine Mandatstätigkeit hat auch in Familienunternehmen deutlich zugenommen.
  • Die Besetzung des Beiratsgremiums mit Beratern, die dem Unternehmen oder Gesellschaftern nahestehen, kann bei diesen zu Interessenkonflikten führen. Diesem Personenkreis fehlt darüber hinaus oft auch die für die Gremienarbeit wertvolle operative Erfahrung in einer Branche.
  • Die Vergütung der Gremienmitglieder sollte den Anforderungen, die an sie gestellt werden, entsprechen. Lieber ein Aufsichtsgremium mit wenigen Personen, aber dafür sehr qualifiziert besetzen und seine Mitglieder angemessen honorieren. Hier sollte die Richtschnur die Vergütung von qualifizierten Beratern sein oder auch die Relation zur Vergütung der Geschäftsführer.
  • Wenn Gremienmitglieder keine operative Verantwortung mehr tragen, sollten sie die aktuellen Anforderungen des Marktumfeldes des Unternehmens aber noch hinreichend kennen und angemessen beurteilen können. Prominente Persönlichkeiten sind im Zweifel weniger geeignet für die Besetzung von Aufsichtsgremien in Familienunternehmen.

Suche nach Beiratsmitgliedern

Für die Gewinnung von Beiratsmitgliedern greifen Unternehmer noch immer überwiegend auf das eigene Umfeld zurück. Dabei sind dann Interessenkonflikte und persönliche Verknüpfungen fast nicht zu vermeiden. Externe unabhängige Persönlichkeiten mit der entsprechenden Kompetenz werden inzwischen vermehrt auch durch die Inanspruchnahme professioneller und auf diesem Gebiet spezialisierter Dienstleister gewonnen, die den Kreis qualifizierter Kandidaten erweitern können. Gute Beiratsmitglieder drängen sich nicht auf, sie wollen vielmehr „ausgewählt“ und gebeten werden. Allerdings gibt es gute Beiräte auch nicht zum Nulltarif. Sie wollen ernst genommen werden und sich mit ihren Ideen einbringen. Dann ist die Höhe der Beiratsvergütung letztlich auch ein Zeichen für die Wertschätzung ihrer Arbeit. Auf jeden Fall sollte man sich für die Auswahl der Mitglieder eines Beirats mindestens so viel Zeit nehmen, wie für die Ausarbeitung der entsprechenden Geschäftsordnung.

Fazit:

In Zeiten sich immer rascher verändernder Rahmenbedingungen und auch disruptiver Innovationen gilt es immer wieder die Robustheit der Unternehmensstrategie zu hinterfragen. Ein qualifiziert besetztes Beiratsgremium ist ein wichtiger Sparringspartner für das Management eines Unternehmens und die Gesellschafter zur Sicherung der Unternehmenszukunft und damit auch des unternehmerischen Vermögens. Letztlich geht es um die Frage, wie anfällig das Unternehmen für exogene bzw. disruptive Veränderungen ist und inwieweit solche Anfälligkeiten konkret simuliert und antizipiert werden können. Diese Fähigkeit von Beiräten muss eine Kernkompetenz sein, denn sie entscheidet mit über Erfolg und Mißerfolg eines Familienunternehmens.

Zum Autor:

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Er war 25 Jahre für Banken im Corporate-Finance- und Private-Equity-Geschäft in leitender Funktion und als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD).

E-Mail: klaus.weigel@board-experts.de