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Die kritische Diskussion um die Vergütung von deutschen Top-Managern hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Laut dem Beratungsunternehmen hkp-Group sank die Zustimmung zu den Vergütungssystemen der DAX-Vorstände 2017 auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Abstimmung im Jahr 2010. Bei drei von acht Unternehmen, bei denen das Thema Vorstandsvergütung auf der Tagesordnung stand, stimmten die Aktionäre mehrheitlich gegen die Vorschläge.

Kernelemente für eine Vorstandsvergütung vorgelegt

Jetzt hat eine Arbeitsgruppe von namhaften Aufsichtsratsvorsitzenden börsennotierter Unternehmen in Deutschland sowie Vertreter wichtiger institutioneller Investoren, Wissenschaftler und Corporate-Governance-Experten Best-Practice-Leitlinien für eine an der Unternehmensentwicklung ausgerichteten Vorstandsvergütung vorgelegt. Die Arbeitsgruppe hat dabei Kernelemente für eine nachhaltige Vorstandsvergütung in börsennotierten Unternehmen entwickelt. Diese sollen den Unternehmen Orientierung für die Ausrichtung ihrer Vergütungssysteme an den Erwartungen der Aktionäre geben sollen und so zum konstruktiven Dialog mit den Aktionären beitragen. Dabei sind zentrale Stakeholder-Ziele ebenso adressiert wie mehr Transparenz bei Aktionären und Stimmrechtsberatern.

Nachvollziehbare Leitlinien

Die vorgestellten Leitlinien sollen für deutlich mehr Klarheit und Verständlichkeit sorgen und die bestehende Komplexität vieler Systeme reduzieren. Vor allem der Zusammenhang von Unternehmensperformance und Vergütung soll für Akteure und Öffentlichkeit nachvollziehbar sein. Entsprechend enthalten die Leitlinien u. a. die Empfehlung, dass die Unternehmen selbst eine Obergrenze für die Gesamtvergütung des Vorstands setzen. Außerdem sollen Vorstände dazu verpflichtet werden, Aktien des eigenen Unternehmens zu halten und nach höchstens vier Jahren im Amt mindestens ein Jahresgehalt investiert haben. Im Übrigen steht das Thema Vorstandsvergütung auch auf der Agenda des deutschen Gesetzgebers. Dabei gilt es nämlich, die europäische Aktionärsrechtelinie in deutsches Recht umzusetzen und dies bis spätestens zum 10. Juni 2019. Unabhängig davon, ob die Hauptversammlung künftig bindend oder nicht bindend über Vorstandsvergütungen abstimmt: Entscheidend ist, was in der Zukunft zur Abstimmung vorgelegt wird.

Hier können Sie die neuen Leitlinien downloaden.
http://www.leitlinien-vorstandsverguetung.de/

Zum Autor:

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Er war 25 Jahre für Banken im Corporate-Finance- und Private-Equity-Geschäft in leitender Funktion und als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD).

E-Mail: klaus.weigel@board-experts.de