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Nach einer Analyse des Prüfungs- und Beratungshauses EY (früher „Ernst & Young“) hat der deutsche Private Equity-Markt (PE-Markt) den Corona-Schock überwunden. Nachdem die Zahl der Transaktionen im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch deutlich, auf 94 Transaktionen, zurückgegangen war, konnte diese im zweiten Halbjahr mit 127 Deals deutlich übertroffen übertroffen werden.

Im gesamten Jahresverlauf 2020 ging die Deal-Anzahl dabei von 225 Transaktionen im Vorjahr auf 221 Transaktionen leicht zurück. Der Transaktionswert übertraf 2020 mit 34,6 Mrd. Euro sogar den Wert des Vorjahres in Höhe von 32,2 Mrd. Euro. Dies lag aber vor allem am Verkauf der Aufzugssparte von thyssenkrupp im ersten Halbjahr 2020, dem größten Buyout bislang in Deutschland mit einem Transaktionswert von 17,2 Mrd. Euro. Das zweite Halbjahr 2020 lag mit einem Wert von 10,4 Mrd. Euro sowohl hinter der ersten Jahreshälfte 2020 als auch hinter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zurück.

Während sich viele Finanzinvestoren im ersten Halbjahr 2020 wegen der außergewöhnlichen Pandemie-Situation zunächst mit neuen Deals zurückgehalten und geplante Transaktionen auf Eis gelegt hatten, hat sich der PE-Markt im zweiten Halbjahr erstaunlich schnell von dem Schock erholt. Die PE-Häuser können die Auswirkungen der Pandemie auf ihre Portfoliounternehmen inzwischen offensichtlich besser einschätzen und, sofern erforderlich, gegensteuern. Außerdem gibt es weiterhin viel anlagebereites Kapital im Markt für Private Equity, sodass 2021 eine weitere Erholung des Private-Equity-Marktes zu erwarten ist. Das Bewertungsniveau dürfte weiterhin hoch bleiben, da sich bei einer zu erwartenden weiteren Normalisierung der Wirtschaft auch die Profitabilität von Zielunternehmen stabilisieren bzw. verbessern sollte.

Deutlich zurückhaltender als die Finanzinvestoren zeigten sich 2020 hingegen die strategischen Investoren: Sie tätigten im Gesamtjahr nur 425 Deals. Das waren 25 Prozent weniger als im Vorjahr und ist die niedrigste Zahl seit 2010. Der Dealwert 2020 fiel mit 34,7 Mrd. Euro um 16 Prozent niedriger als der Vorjahreswert aus. Wie es aussieht, haben sich die Unternehmen 2020 angesichts der Pandemie zunächst einmal darauf konzentriert, das eigene Haus aufzuräumen und die Finanzsituation stabil zu halten. Viele Unternehmen befanden sich eher auf der Verkäuferseite, weil sie Unternehmensteile, die nicht mehr zum Portfolio passten, abstoßen wollten. Für strategische Investitionen blieb da eher wenig Raum. Entsprechend fanden Private-Equity-Häuser auf Seiten der strategischen Investoren auch weniger Abnehmer: Es kamen nur 46 Verkäufe von Finanzinvestoren an strategische Investoren zustande. Im Vorjahr waren es 53 Deals.

Zum Autor:

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel war 25 Jahre im Corporate-Finance- und Private-Equity-Geschäft in leitender Funktion und als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Er ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD).

E-Mail: klaus.weigel@board-experts.de