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Die aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise vermindern auch die Wertansätze der Portfoliounternehmen von Finanzinvestoren. Wie die börsennotierte Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) am 30. April 2020 gemeldet hat, ist der Nettovermögenswert ihres Beteiligungsportfolios zum 31. März 2020, d. h. zum Ende des ersten Halbjahrs ihres Geschäftsjahrs 2019/2020 (30. 9.) um rund 20 Prozent gesunken.

Da die DBAG als börsennotierte Gesellschaft mehr Transparenzpflichten zu erfüllen hat als das Gros ihrer Wettbewerber in Deutschland, gibt dies einen Hinweis, wie die Corona-Krise die Bewertungen von Unternehmen tangiert. Die aktuelle Arbeit der Investorenteams in allen Private-Equity-Häusern (PE-Häusern) fokussiert sich auf die intensive Begleitung der Portfoliogesellschaften und damit die Begrenzung der Corona-Folgen für die Unternehmen. In vielen PE-Häusern herrscht aktuell eine große Unsicherheit, inwieweit die Corona-Krise sich auf die mittel- und langfristigen Geschäftsentwicklungen auswirken wird. Die meisten Private-Equity-finanzierten Unternehmen haben dabei allerdings kaum eine Chance, die Corona-Hilfen der KfW in Anspruch nehmen zu können. Zwar sind diese Unternehmen von den Sonderfinanzierungsprogrammen der KfW nicht explizit ausgeschlossen. Die Kreditauflagen der KfW verlangen aber mindestens eine Gleichrangigkeit neben den Finanzierungen anderer Banken. In Einzelfällen verlangt die KfW sogar einen Vorrang. Das dürfte, wenn überhaupt, nur bei kleineren PE-Deals darstellbar sein. Außerdem sind während der Laufzeit von KfW-Krediten Dividendenausschüttungen an die Gesellschafter (in diesem Fall die PE-Investoren) nicht zulässig.

Die Corona-Krise und ein absehbarer Wirtschaftseinbruch haben aber auch den Markt für Fusionen und Übernahmen schwer gevtroffen. Nach einer Auswertung von Refinitiv (ehemals Thomson Reuters) ist das Monatsvolumen von neu angekündigten Übernahmen im April 2020 auf ein Elf-Jahres-Tief gefallen! Nach den Ergebnissen des ersten Private-Equity-Panel für das Jahr 2020 von CMS und dem Magazin „Finance“ berichteten rund 86 Prozent der Befragten von einem extremen Ausmaß an geplatzten PE-Deals. Auch mussten viele geplante Add-on-Akquisitionen von Portfoliogesellschaften erst einmal auf Eis gelegt werden. Und auch die Fremdfinanzierung von Buy-out-Transaktionen durch Banken und andere Kapitalgeber gestaltet sich schwieriger als noch vor der Corona-Krise. Für die Zukunft sind die befragten Private-Equity-Manager allerdings zuversichtlich: Über 60 Prozent glauben (sehr) stark daran, dass die Corona-Krise ihnen neue unerwartete Kaufgelegenheiten bieten wird.

Zum Autor:

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel war 25 Jahre für verschiedene Banken im Corporate-Finance- und Private-Equity-Geschäft in leitender Funktion und als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Er ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD).

E-Mail: klaus.weigel@board-experts.de